Perücken Ratgeber Tipps & Tricks

Inspiration und Tipps im Austausch mit anderen Betroffenen

haarausfall durch chemotherapie
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Verfasst von Katharina Muhr

Der Grund für den Haarausfall durch Chemotherapie

Viele Zytostatika, die zur Chemotherapie eingesetzt werden, wirken besonders stark auf schnell wachsende, sich häufig teilende Zellen. Dabei beschädigen sie nicht nur Krebszellen, sondern auch normal geartete Zellen im Körper. Bestimmte Zytostatika greifen dabei auch in den Zyklus der Haarwurzelzellen ein. So beginnt ca. 2 bis 4 Wochen nach Beginn der Chemotherapie ein Haarausfall von der Wurzel her. Manchmal können auch geschädigte Haare dicht über der Kopfhaut abbrechen. Dabei hängt es vom Medikament, seiner Dosis und von der persönlichen Veranlagung ab, ob die Haare vollständig ausfallen. Das gilt auch für die restliche Körperbehaarung wie zum Beispiel Augenbrauen und Wimpern.

Durch den Haarausfall leidet das Selbstwertgefühl der Betroffenen. Vor allem bei Frauen ist der Haarausfall ein großes psychisches Problem, das einen zusätzlichen Stressfaktor zu den gesundheitlichen Sorgen bedeutet. Für viele ist es einer der schlimmsten Momente. Besonders in dieser Zeit ist ein Rückhalt in der Familie und von Freunden wichtig. Ebenso der Austausch mit Betroffenen.

Erfahrungen von Betroffenen

Viele Krebspatientinnen haben sich idealerweise schon vor Beginn ihrer Chemotherapie überlegt, wie sie mit dem Haarausfall umgehen möchten. Manche haben sich Tipps beim Krebsinformationsdienst eingeholt oder nehmen an Diskussionen in speziellen Foren für Krebspatienten teil, um sich auszutauschen und selbst neue Anregungen zu erhalten.

Viele betroffene Frauen haben Echthaarperücken ausgewählt, um wieder mehr Mut, Lebensqualität und Selbstbewusstsein zu erhalten. Für die Auswahl der richtigen Perücke haben sie sich in einem Zweithaarstudio beraten lassen. Die meisten berichten, dass niemand in ihrem Umfeld bemerkt, dass sie eine Zweitfrisur tragen. Sie fühlen sich dadurch wieder selbstbewusster, wenn sie Zeit mit ihrer Familie und Freunden verbringen.

Empfehlung für Perücken

Bei Haarausfall durch Chemotherapie empfehlen wir Ihnen, zu Echthaarperücken zu greifen, wie zum Beispiel die Ellen Wille Perücke „Emotion“ oder die Fancy Hair Perücke „Adriana“.

Vor- und Nachteile von Echthaarperücken

Vorteile:
 

  • natürliche Optik
  • natürliches Verhalten
  • individuelles Styling und Färben möglich
  • lange Haltbarkeit
  • kein Verfilzen
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    Nachteile:
     

  • hohe Anschaffungskosten
  • aufwendige Pflege
  • Fragen und Antworten

     

    Wann zahlt die Krankenkasse eine Echthaarperücke?

    Perücken gelten sozialrechtlich als Hilfsmittel, das von einem Arzt verordnet werden muss, damit die Krankenkasse die Kosten dafür trägt. Das heißt, die Notwendigkeit für eine Echthaarperücke muss also von Ihrem behandelnden Arzt therapeutisch verordnet werden. Die meisten Krankenkassen, ganz besonders die gesetzlichen Institutionen, übernehmen die Leistungen nur, wenn ihnen ein Rezept vorgelegt wird und der Haarverlust eine ganz bestimmte medizinische Ursache hat, wie zum Beispiel eine Chemotherapie. Außerdem muss die Zweitfrisur von einem Zweithaarspezialisten verarbeitet sein, der als Leistungserbringer des Verbandes der Ersatzkrankenkassen e.V. (VdEk) qualifiziert und anerkannt ist.

    Wie lange dauert es, bis das Haar nachgewachsen ist?

    Die durch die Chemotherapie ausgefallenen Haare wachsen mehr oder weniger sofort wieder nach, sobald das verwendete Zytostatikum im Körper abgebaut ist. Meist sind die Kopfhaare ca. 3 Monate nach der letzten Chemotherapie schon wieder lang genug, sodass viele Frauen und Männer wieder ohne Perücke auskommen. Das Nachwachsen der Körperbehaarung braucht allerdings etwas mehr Zeit, da sich die Haarwurzelzellen in diesen Bereichen nicht so häufig teilen.

    Mit dem Ende der Chemotherapie ist meist schon eine normale Haarpflege wie zuvor möglich. Sobald die Haare wieder ein gutes Stück nachgewachsen sind, sind auch Färben, Tönen und Dauerwellen wieder erlaubt.

    Was muss ich bei meiner ersten Perücke beachten?

    Bei der Auswahl Ihrer ersten Perücke sollten Sie beachten, dass sie in ihrem Aussehen und in der Haarqualität nicht zu stark von Ihrem Eigenhaar abweicht. Denn eine gravierende Änderung würde Ihre natürliche Ausstrahlung sehr einschränken. Sie würden von Ihrem Umfeld dann direkt auf Ihre Veränderung angesprochen werden. Achten Sie bei der Pflege Ihrer ersten Perücke sehr gut darauf, dass Sie nur Pflegeprodukte für die entsprechende Haarqualität verwenden. Verwenden Sie auch spezielle Conditioner oder Haarmasken, um die Haltbarkeit der Zweitfrisur zu erhöhen und Spliss zu vermeiden.

     

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    Wir möchten Ihnen ans Herz legen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, zum Beispiel in bestimmten Selbsthilfegruppen und Krebsberatungsstellen, in denen auch Kosmetikkurse für Frauen nach Chemotherapie vermittelt werden. Denn hier erhalten Sie in verständnisvoller Atmosphäre Ideen für dezente Kosmetik von Wimpern, Augenbrauen und Lippen sowie Tipps und Tricks im Umgang mit Perücken und Kopfbedeckungen, damit Sie sich wieder wohler und selbstbewusster fühlen. Ein besonderes Haarprogramm hat zum Beispiel die DKMS Life in Zusammenarbeit mit L’Oréal Professionel aufgebaut. Unter dem Motto „look good feel better“ bieten geschulte Partnerfriseure oder Zweithaarspezialisten individuelle Beratungen an und unterstützen Sie auch bei der Abrechnung mit der Krankenkasse.

    Über den Autor

    Katharina Muhr

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